Tuesday, 1. july 2008 2 01 /07 /Juli /2008 21:54
Hoffnungslosigkeit,
gesehen auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=mFMWb7gKFhs.
Sieben lange Minuten die Gedanken eines Menschen, offensichtlich einer Frau. Mitten darin mein Lachen, über: Danach ging ich zur Kirche...
Normalerweise würde ich zur Mosche gehen...
aber da sind ja auch Menschen....
Das ist nicht lustig, trotzdem, ich muss lachen, das Lachen des Cowboys, der seinem Tod ins Geschicht sieht und sagt: Hey, Du hast einen Pickel auf der Nase! Und dann sein dreckiges Lachen zum letzten Mal lacht. Unpassend? Eben, wie sonst will Mann sich retten vor der Trauer, die einen ergreift, liest man solche Schmerzen auf grell-grünem Hintergrund?
Zu guter Letzt gelingt es nicht. Die völlig fehlende Struktur des "Textes" ( Hypertexts?) macht ihn eben so authentisch, die fehlende Ästhetik lässt die vermittelte  Trauer,  Hoffnungslosigkeit auch visuell  geschehen, die abgehackte, phrasenhafte Sprache malt die Gedanken in den eigenen Sinn- becklemmend.
Dann die Suche. Vermutet hatte man ein pubertierendes, deutsches, nicht zu schlankes Mädchen in einer Ich-will-schlank-und-begehrt-sein-Phase, aber dann kommt Gott, bzw. die Kirche/ Moschee, bzw. indirekt die Suche nach Ihm ins Spiel. Kein junges Mädchen also, und nichts, was man einfach auf später verschieben könnte.
Gott? Es wird also ernst und kompliziert. Nein, das soll nicht wie ein sachlich, informativer Artikel der SZ klingen, obwohl es das vielleicht tut. Es soll auch nicht eine weitere Stilkritik sein. Nachdem schon Metzelders Bart, Paris Hiltons Hunde und dergleichen als der Stilkritik würdig erachtet wurden.
Es ist tatsächlich ernst und kompliziert.
" Wir können alle wissenschaftlichen Probleme gelöst haben und immer noch keine Antwort auf unsere Fragen haben", gelesen an der Tafel in der Uni, geschrieben von Unbekannt, der Kommentar der Professorin: "Das ist zu wahr.".
Ernst ist es in dem Augenblick in dem man als Leser sich darauf einlässt. Wenn der lässige Cowboy zum Menschen wird, meinetwegen auch zum Mann, der vor allem ehrlich vor dem Tot steht und nichts zu sagen hat, dann ist es nicht mehr wichtig, ob der Hintergrund grell- grün, oder ästhetisch azur-blau.
Kompliziert wird es, wenn der Cowboy ein normaler durchschnitts Stammtischphilosoph wird, der im Angesicht der großen Fragen nicht mehr als leere Phrasen dreschen kann:
"Gott hat weder Anfang noch Ende, er besitzt sein ganzes Sein auf einmal - worin der Begriff der Ewigkeit beruht." -Thomas von Aquin. Aha. Und jetzt?
Der Hass auf sich selbst ist immer noch da. Der Anblick im Spiegel immer noch nicht erfreulich und die Furcht vor Menschen wie ein Graben- tief und gefährlich.
Es ist aus dem Cowboy doch ein nachdenklicher, kleiner Junge geworden. Mann muss nicht vom gleichen Geschlecht sein um verstehen zu können. Selbstwert ist in dieser harten Welt unersetzlich geworden, ob er sich nun in Schönheit oder worin auch immer manifestiert, oder eben nicht.
Interessant, man findet solche Text meist in gleicher Verfassung, wie der Verfassser sie hineingelegt hat, warum sonst würde man nach " Hoffnungslosigkeit " suchen ?

Ob ich den Text verstanden habe? Nein und Ja.
Nein, weil mein Soziologischen Fähigkeiten an der Oberfläche allein kratzten, weil ich die Struktur des Textes nur ungenügend durchdrungen, weil von Ästhetik nicht mehr Ahnung habe, als ein Besenstil, weil ich den Text der Musik nicht einmal verstehe.
Ja, gerade weil es sich so verhält wie oben beschrieben. Nachdem Soziologie in die Ecke gestellt, Linguistik und Semantik auch, nachdem Kunsttheorie und fehlende Arabischkenntnisse endlich belanglos wurden, ist verstanden worden. Nicht wissenschaftlich, denn:" Wir können alle wissenschaftlichen Probleme gelöst haben..." sondern aus dem Cowboy ist endlich wieder der echte, kleine Junge geworden. Man muss den Text des Liedes nicht verstehen, um die darin wohnende Schwere auf seiner Seele zu spüren, man muss nicht jeden Satz des Textes psycholinguistisch durchdringen, die Verzweiflung steht geschrieben und viel zu oft, welch schallende Ohrfeige an uns Erwachsene, ist ein kleiner Junge mehr Trost als ein starker, cooler Cowboy.

Und jetzt? In Wikipedia gibt es einen eigenen Artikel zum Sinn des Lebens. Ein Warenhaus der Postmodernen Erlösung, schön gegliedert nach der jeweiligen Religion, die einem am meisten behagt. Doch Wikipedia wird ebenso kalt bleiben, wie die Steinmauern einer Kirche.

Jetzt Verständnis. Mehr kann man nicht bieten. Gott, kann man nicht in einen Blog schreiben, gesetzt Er ist da. Lösungen auch nicht. Aber das wissenschaftliche Nicht-Verstehen aber Persönliche-Verstehen vielleicht ist das ein Anfang. Ein Anfang weg von den Antworten, die nicht wichtig sind, von den Gebäuden, die leer. Hin zu Ehrlichkeit. Ein schwacher Trost? Ein ehrlicher.

Hoffnungslosigkeit, gesehen in der Welt,  jahrtausende lange Gedanken dieser Menschheit und mitten darin das Lachen der Cowboys...

Doch das ist nicht lustig...


von Fried
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Thursday, 22. may 2008 4 22 /05 /Mai /2008 20:39
Gestern war Champions League Finale. Die besten Fußballer dieses bescheidenen Planetens treffen sich zum Spiel der Superlative. Oder sollte man es lieber Kampf der Superlative nennen? Nicht umsonst werden die Stadien Arenen genannt, auf Youtube werden des öfteren Videos von Fußballstars mit Gladiator oder dergleichen Filmmusik unterlegt; Fußball, so scheint es manchmal, ist das kultivierte Pendant zur römischen Arena. Fußball riecht schon nach Testosteron, Fußball das ist Männersache, Fußball ist immer auch brutal, Fußball, die letzte Bastion der Männlichkeit?

Gestern  war Champions League Finale. ManU gegen Chelsea. Christiano Ronaldo, der Hass aller Männer, der Liebling vieler Frauen und aller Schwulen war dabei. Ich nicht. Nicht einmal per Fernsehen, aber ein Freund war so nett per Chat alles live aus dem Fernsehen zu übertragen. Sozusagen mein persönlicher Live-Ticker. Mit Kommentaren, persönlichen.
So wie etwa:
                            Ballack
                            trifft.
                            Tevez
                            trifft
                            Ronaldo
                            verschießt
                            Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Warum man sich über den verschossenen Elfmeter von Ronaldo freut wie ein kleines Kind ? Weil Ronaldo uns schon seit ewig nervt. Ersten stehen alle Schwule auf ihn und Schwule haben im Fußball nichts verloren. Und weil viele Frauen ihn so toll finden, nicht weil er Fußball spielen kann, sonder weil er so hübsch ist.
Genau. Genau da hört es auf. Fußball heißt deshalb Fußball, weil es um den Ball geht! Nicht um den Schwuchtel, der damit irgendetwas anstellt, und wenn schon, dann nur um das, was er damit macht und nie, nie darum wie er aussieht. Ronaldinho ist hässlich, na und? Das, was er mit dem Ball macht, ist schön. Darum gehts.
Warum wir so militant werden?
Der Fußballplatz ist unser Spielzeug, seitdem wir Kinder sind. Wir dürfen also Augenbrauenzange, oder wie das schmerzerregende Ding heißt, zuhause lassen, wir können Frisur zuhause lassen, wir können Testosteron en mass einpacken und die löchrigen Strümpfe mit dazu und wir können unseren Kampfgeist und Ehrgeiz einpacken, wir können Teamgeist, so wie wir ihn verstehen einpacken und endlich Schreibtisch, Schreibtisch sein lassen. Der Fußballplatz, das ist sozusagen das große Bad des Mannes, Hoheitsbereich!
Und darum darf da Ronaldo nicht rein. Sonst kommen vielleicht auch irgendwann die Schwuchtel. Und damit können wir nicht umgehen. Das wirft unsere schön einfache Weltsicht - Frau wird von Mann begehrt - durcheinander. Frau kann aber auch Mann begehren, sagt ihr jetzt. Stimmt. Und was sagen wir, wenn wir das nicht wollen? Richtig. Wir wären schwul. Aber das heißt nicht, dass damit irgendwie sympatisieren, nein, keineswegs, das ist unser Totschlagargument. Der kann Fußballspielen ? Egal, der ist schwul!
Und Frauen ? Dürfen sie gar nicht mal zuschauen? Doch. Sicher. Wir dürfen ja auch ins Bad. Wir akzeptieren ja auch stillschweigend, dass mehr als 3/4 des Platzes, des Badplatzes, von ihrer Aloe-Vera gecremten Hand regiert wird. Frauen sind sogar erwünscht. Jawohl! Nur eins dürfen sie nicht:
                                                             1.Ballack mehr als uns anhimmeln
                                                             2.Ronaldo geht gar nicht!

Ah, und im Falle eines Falles; wir zählen immer richtig, wir wissen, was ein Foul war und was nicht und ihr habt dafür das Monopol in Geschmack und Farben und solchen Dingen...

Die Welt kann so einfach sein. Ronaldo - nein. Fußball - Ja.

Sag nein zu Ronaldo.

von Fried
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Thursday, 8. may 2008 4 08 /05 /Mai /2008 13:01
...
Sie macht  
              Worte
zu Hülse,
Liebe da wo
          es noch
       um andere
Dinge geht,
eine Freundschaft
so schnell daß
jegliche Tiefe
sich ausschließt

...

Gefunden in einem dicken Schinken, den ich schon langen nicht mehr genoßen hatte. Auf einem kleinen Vokabalkärtchen steht es da.
Was es wohl bedeuten mag? Ich weiß es kaum, und, ich werde mich nicht daran machen diese eiligen Worte, mit Fehlern und schneller Hand geschrieben, zu ergründen, viel mehr will ich sie genießen, den Duft von Jugendlichkeit den sie unverkennbar ausstrahlen, ihr Tiefe, die ich zu spüren meine, ich werde mich an dem schlampig, treulosen Schriftbild ergötzen; Und, zu guter Letzt will ich das Gefühl in mir aufsaugen, wie trockner Boden.

Worum es geht? Das ist noch nicht von Belang, das Gefühl, die Schwingung und das Seufzen, ist da, was sonst erfragt man? Ein Gefühl hat überdauert im Buch. Wenn Bücher nicht auch dazu da sind, dann sollte man sie abschaffen. Oder in ein Regal stellen und warten bis man bereit sie nach Jahren wieder hervorzukrammen, einen Zettel darin zu finden, das Gefühl aufzusaugen, es zu würdigen.
Und dann?
Dann sollte man sich daran erinnern was Bücher sind: Ein Stückchen Seele, ein Träne und ein Lachen. Eine Erinnerung und ein Traum, ein Brief und ein Pamphlet, ein wenig Liebe und auch Hass, all das und vielmehr. Ach, was haben wir alles nicht gelesen....
von Fried
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Sunday, 4. may 2008 7 04 /05 /Mai /2008 20:26
Nein, berauschend war sie nicht, die Hochzeit. Beinahe, beinahe wäre sie ein Fest geworden, ein Fest wie man es im Bilderbuch mit vergilbten Photographien sucht, ein Fest, das man später mit dem süßsauren Lächeln der Wehmut andenkt, ein Fest, ein Fest wie es sich für ein Hochzeit gehört.
Aber was ist ein Fest, wenn ein Kind im Hintergrund weint? Was ist ein Strand im Sonnenfeuer, wenn ein kleiner Müllhaufen rechts im Bild leise stinkt? Was ist eine schöne Frau, wenn sie den edlen Gang einer Ente geht? Und was ist ein Fest, wenn die Erinnerung daran auch mit dem nicht Lächeln des schönsten Lächelns überhaupt verbunden ist?
Nicht viel.
Es ist die Erinnerung an das viele Lob für die getane Arbeit, es ist das Bild der wohlwollend lächelnden Gäste, die Braut die sich bedankt und der Bräutigam, der einem die Schulter klopft. Es ist die Mutter der Braut, endlich zurückgelehnt und ein wenig zufrieden mit sich und ihrer Welt, es ist der Schwiegervater, die Braut über das Parkett wirbeld als wäre er der Jüngere von Beiden. Es ist die Last, die von einem fiel, die Angst die im verschitzen Hemd stecken blieb und das Versagen, das sein hässliches Gesicht diesmal nicht zeigte. Es ist wahrlich kein hässliches Bild, kein schlechter Satz, den das Leben mir geschrieben.
Kein schlechter Satz, tatsächlich. Aber sind wir Menschen nicht ungerecht? Wir erwarten die schönen Bilder, die melodischen Sätze zu Zeiten, wenn der einfach Dreiklang, der Alexandriner, an rechter Stelle wären, wenn Sicherheit an Ort und Stelle besser. Wir messen mit mancherlei Maß. Ist es eine Hochzeit, so muss sie perfekt sein. Ist es ein Tag wie jeder andere, so kann es auch regnen und wir merken es kaum.
Kein schlechter Satz, aber schlampig unterstrichen, gerade so schlampig, dass es schien als hätte man schon halb durchgestrichen. Kein hässliches Bild, aber ein grauer Himmel. Keine traurige Hochzeit, eine schöne, aber kein Lächeln am nächsten Morgen.

Nicht Groll weder Trauer, ein Traurigsein. Etwas hatte die Wolken verdeckt und wir haben Petrus nicht gerufen, etwas hat den Stifft so grausam zittern lassen und dabei weiß doch jeder, wie hässlich meine Schrift. Beinahe wäre das Bild gelungen, ein schönes Bild, schon fast fertig, doch Abendrot fand sich nicht mehr auf der Palette.
Und beinahte hätte ich vergessen: Malen und Schreiben, dazu brauche ich Dich. Ich kann nicht ohne Dich. Doch natürlich kann ich, sogar sehr viel, aber eingentlich
nicht viel.

Nicht viel.
von Fried
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Sunday, 20. april 2008 7 20 /04 /Apr. /2008 21:58
... und was man als Deutscher kennen sollte, oder:  Ein Fisch kennt kein Wasser...

1968 ist uns allen ein Begriff.
Nicht weil wir alle in der Schule waren und Zahlen aufsagen können und wissen, dass es sich hier um eine Jahreszahl handelt, nein, diese Zahl ist mehr als nur eine Jahreszahl, sie ist sozusagen ein Programm.
Wer ein wenig Kopfrechnen betrieben hat, wird schon gemerkt haben, das besagtes Programm sich heute zum vierzigsten Male jährt, es ist sozusagen das große Dutschke & Co Jubiläum. Der natürlich würde sich im Grabe umdrehen, würde er solche Phrasen hören.
Dutschke und seine Mitstreiter, so hätte er das genannt, seine "Berufrevolutionäre" verstanden sich als Bewegung, keineswegs als "Company", die Konzerne, das waren die Bösen, die, die das Imperialistische Amerika bedienten und immer noch von pseudo-entnazifizierten Männern geführt wurden...
Und Jubiläum?
Sieht man in die deutsche Medienlandschaft, so ist man sich offensichtlich nicht einig, ob Jubiläum des Aufbruchs oder der Befreiung von Krawalle und Autoritätenuntergrabung. Noch heute sind die 68 er, ein "Titel", den sie den Medien verdanken, für die einen der Anfang der deutschen Demokratie, für die anderen schlichtweg an allem Schuld. An Disziplinslosigkeit und Sittenlosigkeit und so weiter....

Und wir?
Wir sind wohl zu jung, um nachvollziehen zu können, wie weit die Veränderungen jener Generation gegriffen haben, wir wissen nichts vom Wasser, wie der Fisch, der nichts anderes kennt.
Ein Nachteil? Keinesweges. Wir können, im Bilde gesprochen, das Wasser neu begreifen, weil wir nicht von alt her sind. Wir könne 68 aus der Distanz objektiv, relativ, betrachten.
Geschichte macht keinen Sinn? Nein. Viele machen für Geschichte keinen Sinn.
Oder wie sagt man so schön? Sie leben ein Loch in die Welt.

Und Dutschke?
Der hatte für die "Mündigmachung", für  "Selbstorganisation" gekämpft. Die "Aufklärung und Aktionen" brachten dann auch die bis heute andauernden Reaktionen mit sich. Und würde er heute noch leben, hätte er umso mehr zu tun, denn schon damals kämpfte man gegen den unpolitischen, desinteressierten Normalbürger, der Abends lieber ein wenig Tagesschau sah,

oder einen Blog schreibt...
von Fried
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