Donnerstag, 8. mai 2008
...
Sie macht  
              Worte
zu Hülse,
Liebe da wo
          es noch
       um andere
Dinge geht,
eine Freundschaft
so schnell daß
jegliche Tiefe
sich ausschließt

...

Gefunden in einem dicken Schinken, den ich schon langen nicht mehr genoßen hatte. Auf einem kleinen Vokabalkärtchen steht es da.
Was es wohl bedeuten mag? Ich weiß es kaum, und, ich werde mich nicht daran machen diese eiligen Worte, mit Fehlern und schneller Hand geschrieben, zu ergründen, viel mehr will ich sie genießen, den Duft von Jugendlichkeit den sie unverkennbar ausstrahlen, ihr Tiefe, die ich zu spüren meine, ich werde mich an dem schlampig, treulosen Schriftbild ergötzen; Und, zu guter Letzt will ich das Gefühl in mir aufsaugen, wie trockner Boden.

Worum es geht? Das ist noch nicht von Belang, das Gefühl, die Schwingung und das Seufzen, ist da, was sonst erfragt man? Ein Gefühl hat überdauert im Buch. Wenn Bücher nicht auch dazu da sind, dann sollte man sie abschaffen. Oder in ein Regal stellen und warten bis man bereit sie nach Jahren wieder hervorzukrammen, einen Zettel darin zu finden, das Gefühl aufzusaugen, es zu würdigen.
Und dann?
Dann sollte man sich daran erinnern was Bücher sind: Ein Stückchen Seele, ein Träne und ein Lachen. Eine Erinnerung und ein Traum, ein Brief und ein Pamphlet, ein wenig Liebe und auch Hass, all das und vielmehr. Ach, was haben wir alles nicht gelesen....
von Fried
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Sonntag, 4. mai 2008
Nein, berauschend war sie nicht, die Hochzeit. Beinahe, beinahe wäre sie ein Fest geworden, ein Fest wie man es im Bilderbuch mit vergilbten Photographien sucht, ein Fest, das man später mit dem süßsauren Lächeln der Wehmut andenkt, ein Fest, ein Fest wie es sich für ein Hochzeit gehört.
Aber was ist ein Fest, wenn ein Kind im Hintergrund weint? Was ist ein Strand im Sonnenfeuer, wenn ein kleiner Müllhaufen rechts im Bild leise stinkt? Was ist eine schöne Frau, wenn sie den edlen Gang einer Ente geht? Und was ist ein Fest, wenn die Erinnerung daran auch mit dem nicht Lächeln des schönsten Lächelns überhaupt verbunden ist?
Nicht viel.
Es ist die Erinnerung an das viele Lob für die getane Arbeit, es ist das Bild der wohlwollend lächelnden Gäste, die Braut die sich bedankt und der Bräutigam, der einem die Schulter klopft. Es ist die Mutter der Braut, endlich zurückgelehnt und ein wenig zufrieden mit sich und ihrer Welt, es ist der Schwiegervater, die Braut über das Parkett wirbeld als wäre er der Jüngere von Beiden. Es ist die Last, die von einem fiel, die Angst die im verschitzen Hemd stecken blieb und das Versagen, das sein hässliches Gesicht diesmal nicht zeigte. Es ist wahrlich kein hässliches Bild, kein schlechter Satz, den das Leben mir geschrieben.
Kein schlechter Satz, tatsächlich. Aber sind wir Menschen nicht ungerecht? Wir erwarten die schönen Bilder, die melodischen Sätze zu Zeiten, wenn der einfach Dreiklang, der Alexandriner, an rechter Stelle wären, wenn Sicherheit an Ort und Stelle besser. Wir messen mit mancherlei Maß. Ist es eine Hochzeit, so muss sie perfekt sein. Ist es ein Tag wie jeder andere, so kann es auch regnen und wir merken es kaum.
Kein schlechter Satz, aber schlampig unterstrichen, gerade so schlampig, dass es schien als hätte man schon halb durchgestrichen. Kein hässliches Bild, aber ein grauer Himmel. Keine traurige Hochzeit, eine schöne, aber kein Lächeln am nächsten Morgen.

Nicht Groll weder Trauer, ein Traurigsein. Etwas hatte die Wolken verdeckt und wir haben Petrus nicht gerufen, etwas hat den Stifft so grausam zittern lassen und dabei weiß doch jeder, wie hässlich meine Schrift. Beinahe wäre das Bild gelungen, ein schönes Bild, schon fast fertig, doch Abendrot fand sich nicht mehr auf der Palette.
Und beinahte hätte ich vergessen: Malen und Schreiben, dazu brauche ich Dich. Ich kann nicht ohne Dich. Doch natürlich kann ich, sogar sehr viel, aber eingentlich
nicht viel.

Nicht viel.
von Fried
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Sonntag, 20. april 2008
... und was man als Deutscher kennen sollte, oder:  Ein Fisch kennt kein Wasser...

1968 ist uns allen ein Begriff.
Nicht weil wir alle in der Schule waren und Zahlen aufsagen können und wissen, dass es sich hier um eine Jahreszahl handelt, nein, diese Zahl ist mehr als nur eine Jahreszahl, sie ist sozusagen ein Programm.
Wer ein wenig Kopfrechnen betrieben hat, wird schon gemerkt haben, das besagtes Programm sich heute zum vierzigsten Male jährt, es ist sozusagen das große Dutschke & Co Jubiläum. Der natürlich würde sich im Grabe umdrehen, würde er solche Phrasen hören.
Dutschke und seine Mitstreiter, so hätte er das genannt, seine "Berufrevolutionäre" verstanden sich als Bewegung, keineswegs als "Company", die Konzerne, das waren die Bösen, die, die das Imperialistische Amerika bedienten und immer noch von pseudo-entnazifizierten Männern geführt wurden...
Und Jubiläum?
Sieht man in die deutsche Medienlandschaft, so ist man sich offensichtlich nicht einig, ob Jubiläum des Aufbruchs oder der Befreiung von Krawalle und Autoritätenuntergrabung. Noch heute sind die 68 er, ein "Titel", den sie den Medien verdanken, für die einen der Anfang der deutschen Demokratie, für die anderen schlichtweg an allem Schuld. An Disziplinslosigkeit und Sittenlosigkeit und so weiter....

Und wir?
Wir sind wohl zu jung, um nachvollziehen zu können, wie weit die Veränderungen jener Generation gegriffen haben, wir wissen nichts vom Wasser, wie der Fisch, der nichts anderes kennt.
Ein Nachteil? Keinesweges. Wir können, im Bilde gesprochen, das Wasser neu begreifen, weil wir nicht von alt her sind. Wir könne 68 aus der Distanz objektiv, relativ, betrachten.
Geschichte macht keinen Sinn? Nein. Viele machen für Geschichte keinen Sinn.
Oder wie sagt man so schön? Sie leben ein Loch in die Welt.

Und Dutschke?
Der hatte für die "Mündigmachung", für  "Selbstorganisation" gekämpft. Die "Aufklärung und Aktionen" brachten dann auch die bis heute andauernden Reaktionen mit sich. Und würde er heute noch leben, hätte er umso mehr zu tun, denn schon damals kämpfte man gegen den unpolitischen, desinteressierten Normalbürger, der Abends lieber ein wenig Tagesschau sah,

oder einen Blog schreibt...
von Fried
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