Nein, berauschend war sie nicht, die Hochzeit. Beinahe, beinahe wäre sie ein Fest geworden, ein Fest wie man es im Bilderbuch mit vergilbten Photographien sucht, ein Fest, das man später mit dem
süßsauren Lächeln der Wehmut andenkt, ein Fest, ein Fest wie es sich für ein Hochzeit gehört.
Aber was ist ein Fest, wenn ein Kind im Hintergrund weint? Was ist ein Strand im Sonnenfeuer, wenn ein kleiner Müllhaufen rechts im Bild leise stinkt? Was ist eine schöne Frau, wenn sie den edlen
Gang einer Ente geht? Und was ist ein Fest, wenn die Erinnerung daran auch mit dem nicht Lächeln des schönsten Lächelns überhaupt verbunden ist?
Nicht viel.
Es ist die Erinnerung an das viele Lob für die getane Arbeit, es ist das Bild der wohlwollend lächelnden Gäste, die Braut die sich bedankt und der Bräutigam, der einem die Schulter klopft. Es ist
die Mutter der Braut, endlich zurückgelehnt und ein wenig zufrieden mit sich und ihrer Welt, es ist der Schwiegervater, die Braut über das Parkett wirbeld als wäre er der Jüngere von Beiden. Es ist
die Last, die von einem fiel, die Angst die im verschitzen Hemd stecken blieb und das Versagen, das sein hässliches Gesicht diesmal nicht zeigte. Es ist wahrlich kein hässliches Bild, kein
schlechter Satz, den das Leben mir geschrieben.
Kein schlechter Satz, tatsächlich. Aber sind wir Menschen nicht ungerecht? Wir erwarten die schönen Bilder, die melodischen Sätze zu Zeiten, wenn der einfach Dreiklang, der Alexandriner, an rechter
Stelle wären, wenn Sicherheit an Ort und Stelle besser. Wir messen mit mancherlei Maß. Ist es eine Hochzeit, so muss sie perfekt sein. Ist es ein Tag wie jeder andere, so kann es auch regnen und
wir merken es kaum.
Kein schlechter Satz, aber schlampig unterstrichen, gerade so schlampig, dass es schien als hätte man schon halb durchgestrichen. Kein hässliches Bild, aber ein grauer Himmel. Keine traurige
Hochzeit, eine schöne, aber kein Lächeln am nächsten Morgen.
Nicht Groll weder Trauer, ein Traurigsein. Etwas hatte die Wolken verdeckt und wir haben Petrus nicht gerufen, etwas hat den Stifft so grausam zittern lassen und dabei weiß doch jeder, wie hässlich
meine Schrift. Beinahe wäre das Bild gelungen, ein schönes Bild, schon fast fertig, doch Abendrot fand sich nicht mehr auf der Palette.
Und beinahte hätte ich vergessen: Malen und Schreiben, dazu brauche ich Dich. Ich kann nicht ohne Dich. Doch natürlich kann ich, sogar sehr viel, aber eingentlich
nicht viel.
Nicht viel.